Fehlt uns wirklich etwas – oder fehlt uns nur der Blick dafür? Vorhandene Ressourcen neu entdecken
- 19. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Aug.

Warum wir die wertvollsten Ressourcen im Alltag oft übersehen.
Wann haben wir eigentlich aufgehört, mit dem zu arbeiten, was schon da ist? Manchmal habe ich das Gefühl, wir sammeln erst einmal alles, was wir angeblich brauchen. Und wenn wir irgendwann alles zusammenhaben, fehlt uns meistens nur noch eines: der Anfang. Das Losgehen. Das Machen.
Dabei verlieren wir meiner Meinung nach viel zu viel Zeit und Energie. Was wäre, wenn wir uns stattdessen zuerst ein paar einfache Fragen stellen würden? Was ist eigentlich schon da? Was können wir ausleihen? Was lässt sich anders nutzen? Wer macht es bereits gut – und mit wem könnten wir darüber ins Gespräch kommen?
Ich glaube, genau dort beginnt ein bewussterer Umgang mit unseren Ressourcen. Und vielleicht ist das der bessere Anfang – ganz gleich, ob in unserem Privatleben oder in unserer Arbeitswelt.
Und ja, ich musste tatsächlich schmunzeln, als ich vor Kurzem darüber nachgedacht habe. Denn mein Leben ist genau andersherum verlaufen. Ich bin früh von zu Hause ausgezogen und hatte viele Jahre nicht besonders viel Geld. Das war nicht immer einfach. Aber es hatte einen entscheidenden Vorteil: Ich hatte gar nicht die Möglichkeit, ständig etwas Neues zu kaufen. Also habe ich gelernt, mit dem zu arbeiten, was da war. Und weißt du was? Ich war damit oft erstaunlich glücklich.
Diese Zeit hat mich bis heute geprägt. Unnötiges findet deshalb nur selten einen Platz in meinem Leben. Natürlich gelingt mir das nicht immer. Aber ich glaube, je bewusster wir mit unseren Entscheidungen umgehen, desto besser erkennen wir die Ressourcen, die bereits vorhanden sind. Und vielleicht ist genau das der erste Schritt zu einem besseren Umgang mit dem, was wir haben.
Witzig eigentlich: Während viele in meinem Umfeld auf mehr warteten – mehr Geld, mehr Freizeit, bessere Voraussetzungen oder den richtigen Zeitpunkt –, habe ich versucht, mein Leben mit dem zu gestalten, was gerade da war. Nicht perfekt. Nicht luxuriös. Aber so, dass es für mich gepasst hat.
Und wenn ich ehrlich bin: Ich hatte nie das Gefühl, auf etwas Wesentliches verzichten zu müssen. Ich hatte genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, einen Job und die Möglichkeit, mit kleinem Budget und meinem Rucksack die Welt zu entdecken. Für mich war das ein gutes Leben. Nicht, weil ich alles hatte. Sondern weil ich gelernt hatte, das wertzuschätzen, was bereits da war.

Und natürlich darf sich das Leben verändern. Unsere Ansprüche verändern sich, genauso wie die Bereitschaft, in das Richtige zu investieren. Das gehört zum Leben dazu.
Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir uns vor einer Entscheidung öfter fragen: Brauche ich das wirklich? Und macht es mein Leben tatsächlich besser?
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Dinge kaufen oder Entscheidungen treffen, weil sie gerade angesagt sind, weil andere sie auch haben oder weil wir dazugehören möchten. Das ist menschlich. Aber genau dann verlieren wir leicht aus dem Blick, warum wir uns eigentlich dafür entschieden haben. Und aus meiner Sicht werden so oft Ressourcen verschwendet – Geld, Zeit, Energie und manchmal auch Material.
Natürlich wissen wir nie mit Sicherheit, ob sich eine Investition am Ende auszahlt. Manchmal gehört auch Mut dazu und die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Aber wenn wir uns vorher bewusst mit dem auseinandersetzen, was bereits da ist und warum wir überhaupt investieren möchten, treffen wir mit dem Wissen von heute wahrscheinlich deutlich bessere Entscheidungen als dann, wenn wir einfach nur einem Trend folgen.
Der Blick auf vorhandene Ressourcen hat mich auch in meinem Berufsleben begleitet. Dort habe ich ebenfalls gelernt, mit dem zu arbeiten, was bereits da war – und das Beste daraus zu machen. Erst wenn wir an Grenzen gestoßen sind, wurde investiert. Aber nicht, weil es gerade modern war oder alle anderen es genauso gemacht haben. Sondern weil wir überzeugt waren, dass es der richtige Schritt war.
Genau dort entstanden oft die besten Ideen. Sicherlich war nicht immer alles perfekt. Aber gerade die begrenzten Möglichkeiten haben uns dazu gebracht, neue Wege zu finden, an die wir vorher gar nicht gedacht hatten. Aus vermeintlichen Einschränkungen entstanden häufig Lösungen mit ganz eigener Qualität.
Rückblickend glaube ich, dass genau das eine meiner größten Stärken im Berufsleben war: nicht zuerst auf das zu schauen, was fehlt, sondern auf das, was bereits vorhanden ist.
Viele meiner schönsten Erinnerungen sind entstanden, weil ich kreativ werden musste und nicht, weil ich alles kaufen konnte. So vieles, was unser Leben bereichert, kostet nichts oder nur sehr wenig. Ein Spaziergang in der Natur. Ein gutes Gespräch. Oder ein gemeinsames Abendessen zu Hause, das oft weniger kostet als ein Restaurantbesuch.
Vielleicht liegt genau darin eine Chance. Bevor wir uns darüber ärgern, dass es hinten und vorne nicht reicht, könnten wir den Blick wieder stärker auf das richten, was bereits möglich ist. Mit einer klugen Budgetplanung, etwas Kreativität und dem Mut, Gewohntes zu hinterfragen, entdecken wir oft mehr Möglichkeiten, als wir zunächst vermuten.
Und vielleicht stellen wir am Ende sogar fest, dass uns manches glücklicher macht als das, wovon wir dachten, wir müssten es unbedingt haben.
Zum Weiterdenken kann ich dir Minimalism – A Documentary About the Important Things empfehlen. Eine Dokumentation darüber, warum bewusste Entscheidungen oft wertvoller sind als immer mehr Besitz.

In Unternehmen beobachte ich häufig, wie neue Systeme eingeführt, Programme angeschafft und Prozesse verändert werden – in der Hoffnung, dass dadurch alles einfacher wird. Nicht selten werden diese Entscheidungen von Menschen getroffen, die den Arbeitsalltag selbst gar nicht täglich erleben. Diejenigen, die genau wissen, was gut funktioniert und wo die eigentlichen Herausforderungen liegen, werden dagegen manchmal erst sehr spät oder gar nicht einbezogen.
Am Ende wundert man sich dann, warum die neuen Lösungen den Alltag nicht wirklich erleichtern. Dabei wäre der erste Schritt oft ein anderer: die Menschen zu fragen, die täglich mit den Prozessen arbeiten. Gemeinsam zu überlegen, was bereits gut funktioniert, wo es wirklich hakt und worauf sich aufbauen lässt. Erst danach sollte entschieden werden, worin sich eine Investition tatsächlich lohnt.
Genau diese Erfahrung habe ich in meinem Berufsleben immer wieder gemacht. Die besten Lösungen entstanden selten am Schreibtisch. Sie entstanden im Gespräch mit den Menschen, die täglich mit ihrer Arbeit zu tun hatten.
Vielleicht müssen wir grundsätzlich gar nicht immer mehr kaufen oder besitzen. Vielleicht müssen wir zuerst wieder lernen, genauer hinzuschauen. Denn wer versteht, was bereits vorhanden ist und was in Zukunft wirklich gebraucht wird, trifft klügere Entscheidungen darüber, worin es sich lohnt zu investieren.
Vielleicht entsteht daraus nicht das, was wir ursprünglich geplant haben. Vielleicht entsteht sogar etwas Besseres. Etwas, das nachhaltiger ist, weil es auf dem aufbaut, was bereits da war. Und manchmal braucht es genau dafür eines: den Mut, diesem Weg zu vertrauen.

Wir haben eine Kultur entwickelt, in der perfekte Pläne oft wichtiger erscheinen als der erste unperfekte Schritt. Strategien, Businesspläne und Zielbilder sind häufig schneller veraltet, als uns lieb ist. Und kaum ein Lebensweg hält sich an den ursprünglichen Entwurf.
Die Kunst, vorhandene Ressourcen zu sehen, bedeutet für mich nicht Verzicht. Sie beginnt dort, wo wir wieder genauer hinschauen. Mit Offenheit. Mit Kreativität. Mit der Freude daran, aus dem Bestehenden etwas Neues entstehen zu lassen.
Vielleicht liegt genau darin eine der wertvollsten Fähigkeiten unserer Zeit: nicht immer mehr zu suchen, sondern das, was bereits da ist, bewusster wahrzunehmen. Denn gute Grundlagen entstehen selten durch Zufall. Sie entstehen, wenn wir lernen, Zusammenhänge zu erkennen und dem Wesentlichen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Zum Weiterlesen & Weiterdenken möchte ich dir heute "Die 1%-Methode - von James Clear" empfehlen. Das Buch hat mich auf meinem eigenen Weg begleitet und zeigt auf beeindruckende Weise, wie kleine Veränderungen langfristig Großes bewirken können. Wenn du Bücher kaufst, dann vielleicht in deiner lokalen Buchhandlung. Für mich gehören Buchhandlungen zu den schönsten Orten einer Stadt – Orte voller Ideen, Begegnungen und Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.
Vielleicht lohnt es sich, in dieser Woche einmal bewusst darauf zu achten, welche Ressourcen in deinem Leben längst vorhanden sind – und was daraus entstehen könnte.
Nächsten Sonntag knüpfen wir genau dort wieder an - ich freue mich darauf.
Bis nächste Woche.
Eure Michaela

Zum Weiterdenken
Dokumentation
Eine inspirierende Dokumentation über die Frage, warum bewusste Entscheidungen oft wertvoller sind als immer mehr Besitz.
Zum Weiterlesen & Weiterdenken
Ein Buch darüber, wie kleine Veränderungen langfristig große Wirkung entfalten können.
Ich bestelle Bücher bewusst über meine lokale Buchhandlung – zum Beispiel über genialokal. Für mich gehören Buchhandlungen zu den schönsten Orten einer Stadt. Orte voller Geschichten, Ideen und Begegnungen, die auch in Zukunft ihren festen Platz behalten sollten.
Von hier aus weiterdenken ...
→ Die durchdachte Vorratsbasis. Mein Grundlagenwerk für einen einfacheren Küchenalltag.
→ Weitere Kolumnen. Gedanken über Lebensräume, Arbeitswelten und gute Grundlagen für einen bewussteren Alltag.




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