Verunsicherung steht am Anfang von Veränderung - eine neue Esskultur mit Lebensgefühl.
- 2. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Apr.

Wenn wir über Veränderungen in der Esskultur sprechen, könnte ich eigentlich einen kleinen Roman schreiben. Aber keine Sorge - mache ich nicht.😉
Aber wisst ihr, was ich wirklich schade finde? Dass wir unsere Esskultur überhaupt erst wiederentdecken und darüber sprechen müssen. Irgendwie fühlt es sich an, als seien wir ein Stück weit verunsichert, was "richtiges" Essen eigentlich ist.

Erinnerungen an eine andere Zeit
Als ich ein Kind war - und heute bin ich fast 41 - war vieles rund ums Essen noch ganz selbstverständlich. Saisonal. Regional.
Gemüse kam aus dem eigenen Garten, es gab feste Essenszeiten und am Tisch wurde in aller Ruhe gegessen. Wenn ich das heute beobachte, wie wir mit Essen umgehen, fühlt sich das oft ganz anders an.
Wir zählen Kalorien, optimieren, analysieren - und verlieren dabei etwas sehr Entscheidendes: den Genuss.
Genau hier setzt die Verunsicherung an: Wir sind umgeben von unzähligen Tipps, Diäten, Studien und "Superfoods" - und trotzdem fühlt sich Essen oft wie ein Pflichttermin an. Diese Verunsicherung ist aber nicht nur Hindernis - sie kann auch der Anfang von einer wundervollen Veränderung sein.
Wie wir es wieder besser machen?
Indem wir wieder anfangen, das zu essen, was uns die Saison schenkt und in unserer Heimat wächst. Exotische Kombinationen sind natürlich ein "Muss" - aber mit einem bewussten Blick hinter die Kulissen. Denn je mehr wir uns bewusst entscheiden, desto weniger fühlen wir uns getrieben von "man sollte" oder "man darf nicht".
Auch in unserer Arbeits- und Lernwelt können wir den Bezug zu Lebensmitteln wiederherstellen. Vielleicht ein kleines Kräuterbeet für alle - ein besonderer Ort, an dem man kurz durchatmen und neue Energie auftanken kann. Mein Buchtipp: Einfach gärtnern - drinnen und draußen von Gabriele Kremer
Essen ist nicht nur etwas, das wir "brauchen". Es ist etwas, das uns verbindet. Und vielleicht dürfen wir genau das wieder mehr in unseren Alltag holen - und dabei auch ein bisschen kreativer werden.

Was wir von anderen Kulturen lernen können
Auf meinen Rucksackreisen habe ich erlebt, wie selbstverständlich in anderen Teilen der Welt noch frisch gekocht wird. Ob das in Sumatra war, wo vor dem Restaurant die Schuhe ausgezogen werden, man sich auf den Boden setzt und die köstlichsten Leckereien frisch aus der Nachbarschaft bekommt. Oder in Finnland, wo es gang und gäbe ist, mit der ganzen Familie auch bei schlechtem Wetter Pilze und Beeren zu sammeln, die dann in wundervollen Hütten mit Lagerfeuerstellen inmitten von Wäldern zubereitet werden. Oder bei Italiener:innen und Französ:innen, die das Essen jeden Tag zelebieren. Dort scheint die Zeit stillzustehen, und es entsteht ein echtes Gefühl dafür, was auf den Teller kommt.
Genau das ist es, was wir Stück für Stück verloren haben – und vielleicht hat genau das auch die Verunsicherung in unser Leben gebracht.😋Wir ahmen irgendwie Nachhaltigkeit und Achtsamkeit nach, ohne sie wirklich gelebt zu haben.
Wie können wir das wieder besser lernen?
Wir können anfangen, ein gemeinsames Essen ohne Handy und mit ganz viel Zeit zu machen. Mit Gesprächen darüber, was man schmeckt, wie es riecht - und wie man es beim nächsten Mal vielleicht nochmal anders machen könnte.
In unserer Arbeitswelt können wir uns mit lieben Menschen für 10 Minuten bewusst Zeit nehmen und uns über die Köstlichkeiten dieser Welt austauschen. Ein Moment, in dem wir essen, uns zuhören und Verbindung schaffen.
Für mich ist eine bewusste Esskultur nicht perfekt - sie schafft nur kleine besondere Momente. Nicht mehr und nicht weniger.
Ein selbstgekochtes Essen mit frischen, echten Zutaten. Ein gemeinsames Lachen am Tisch. Oder einfach das Gefühl, sich Zeit genommen zu haben - das ist Lebensgefühl, das strahlt.

Vom Selbstanbau zur Wertschätzung - und zum Loslassen von Kontrolle
Vor einigen Jahren habe ich ein kleines Selbstversorger-Projekt gestartet. Ich liebe diese vielen kleinen Lebensprojekte. Sie versüßen meinen Alltag so sehr.😊
Ich habe also den Großteil unseres Gemüses selbst angebaut - im Sinne der Permakultur. Wow - ich war ehrlich überrascht, wie viel Wertvolles in der Permakultur steckt. Das hat mich jeden Tag begeistert und war fern von dem, was ich bisher kannte. Heute bin ich sehr dankbar, mir dafür die Zeit genommen und so viel Wundervolles gelernt zu haben.
Wer einmal erlebt, wie etwas wächst, schaut nie wieder gleich auf Lebensmittel. Das verändert den Blick darauf - man kauft bewusster ein, wirft weniger weg und geht achtsamer mit Lebensmitteln um.
Viele von uns sind verunsichert, weil sie nicht mehr wissen, was „richtig“ ist. Und genau darin liegt vielleicht die Chance: wieder zu einer Esskultur zurückzufinden, die ohne Druck und ohne Stress auskommt.
Wie kannst du anfangen?
Ein Buchtipp von mir ist Permakultur im Hausgarten von Jonas Gampe. Perfekt für den Start und sehr praxisnah.
Ein Buchtipp von mir für Urban Gardening ist Selbstversorgung auf dem Balkon von Lisa Maria Trauer

Zurück zum Wesentlichen: weniger Kontrolle, mehr Gefühl
Ich finde, wir dürfen wieder lernen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Weniger Regeln. Weniger Kontrolle. Weniger dieses "so sollte man" - dafür wieder mit mehr Gefühl.
Mit frischen, natürlichen Zutaten und wenigen Handgriffen wird Kochen wieder etwas Selbstverständliches und vor allem etwas Schönes. Dann brauchen wir weder Apps noch Tabellen, um "richtig" zu essen. Ganz ehrlich: Das macht doch keine Freude mehr.
Ja, all das kann erstmal verunsichern, weil wir vielleicht schon anderes gewohnt sind. Vielleicht kennst du den Geschmack von echtem Essen kaum noch. Aber wer bewusster isst, findet den Genuss ganz von selbst wieder - das habe ich selbst erlebt.

Bewusst essen - zu Hause und im Beruf
Eine gute Esskultur ist keine reine Privatsache. Auch in unserer Arbeitswelt können wir viel verändern, wenn wir dem Thema Essen den Raum geben, den es verdient. Ich denke an dieser Stelle auch an Schulen. Regelmäßige gemeinsame Mittagspausen, gesunde Snacks statt Süßigkeitenberge, Platz für gute Gespräche jenseits von Termindruck oder dem nächsten Skandal - all das stärkt das Miteinander.
Wenn wir anfangen, eine Slow-Food-Esskultur zu fördern, schaffen wir Räume für Begegnungen mit einem echten Lebensgefühl. Die Menschen, die mit mehr Lebenslust essen, denken kreativer und haben langfristig eine höhere Lebensqualität.
Wie können wir das verändern?
Schau dir die Slow Food Seite an und lass dich nach Herzenslust inspirieren.
Diese Verunsicherung – was ist gesund, was ist okay? löst sich oft, wenn man sich mit echten Lebensmitteln, echten Geschmäckern und echten Genussmenschen verbindet - statt sich nur durch Regeln durchzukämpfen.

Lockerheit statt Perfektion
Wir müssen in unserem Essalltag nicht alles richtig machen. Manchmal reicht ein bisschen Lockerheit.
Bei uns zu Hause gibt es jede Woche einen Pizzaabend. Den Abend verbringen wir entweder auf der Couch oder auf dem Teppich – mitten im Spieleparadies unseres Kleinen.
Früher, noch ohne Kind, bin ich mit meinem Mann nach der Arbeit oft zu unserem Kraftplatz gegangen. Mit Decke, Lunchbox und einem Glas Wein im Gepäck. Der Blick über Salzburg und das Bergpanorama – purer Luxus. Und jeder noch so schlechte Gedanke war in diesem Moment einfach weg. Such dir deine eigenen Kraftorte und fang an, die Energie dort mit in deinen Alltag mitzunehmen.
Diese Art von Leichtigkeit tut auch im Berufsalltag gut. Ein kleines Picknick an einem schönen Lieblingsort in der Nähe des Arbeitsplatzes oder ein Frühstücksfreitag, bei dem jede:r eine Kleinigkeit mitbringt.
Kleine Rituale schaffen große Wirkung. Ohne Druck, ohne schlechtes Gewissen, ohne Verunsicherung.
Ich habe oft zum Essen eingeladen, Neues ausprobiert, wenn ich Lust hatte, den Tisch schön gedeckt und mit selbstgemachter Deko verziert. Passende Musik aufgelegt - das sorgt für unfassbar gute Stimmung. Nudeln gemeinsam mit den Kindern selbst gemacht – und genau diese kleinen Erlebnisse sind es, die ihnen bis heute im Kopf geblieben sind.
Neue Erlebnisse lösen Verunsicherung – und genau daraus entsteht Veränderung.

Zurück zur Einfachheit - auf unseren Tellern und in unseren Köpfen
Wir können uns durch die Art, wie und was wir essen, sicherlich nicht vor allen Krankheiten schützen. Aber wir können lernen, mit mehr Achtsamkeit und Dankbarkeit zu essen. Denn die Qualität, wie und was wir essen, entscheidet auch über unsere Art von Lebensgefühl.
Ein positives Lebensgefühl bringt uns leichter durchs Leben als ein Kopf voller Regeln und Ideale, die uns am Ende nur unglücklich machen. Und ja, Verunsicherung ist hier oft der Ausgangspunkt: Wir merken, dass etwas fehlt – und doch können wir genau diese Unsicherheit nutzen, um bewusster zu entscheiden.
Wie schaffen wir eine bessere Esskultur für alle?
Nehmt euch Zeit für Restaurantbesuche bei Menschen, die mit echter Leidenschaft, guten Zutaten und viel Herz kochen. Hier geht es nicht ums Sattwerden - sondern um Genuss.
Auch in unserer Arbeitswelt können wir bewusst ausgewähltes, frisch zubereitetes Essen genießen – und uns dafür wirklich Zeit nehmen.
Und in der Lernwelt können wir anfangen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo Lebensmittel herkommen, und gutes Schulessen wieder als Selbstverständlichkeit zu betrachten.
So entsteht keine Verunsicherung durch "noch mehr Pflicht", sondern eine lockere Veränderung, die Freude macht.
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören, Essen nur zu bewerten, und wieder anfangen, es mit allen Sinnen, mit Dankbarkeit und mit offenem Herzen zu leben.
Wenn wir anfangen, uns mit einem besseren Lebensgefühl zu ernähren, beginnt sich auch unser Körper zu verändern. Wir bekommen wieder ein Gefühl für uns selbst. Und genau daraus entsteht oft ganz von allein: Bewegung.
Nicht als Pflicht - sondern als etwas, das sich richtig gut anfühlt. Und genau darum geht es im nächsten Artikel: Nicht um Sportpläne oder Leistungsdruck - sondern um Bewegung, die sich gut anfühlt.
Bye, eure Michaela🌞

Wenn du dich tiefer mit den Gedanken aus diesem Artikel beschäftigen möchtest, habe ich dir hier nochmal alle Bücher und Artikel zusammengestellt.
Buchtipp: Permakultur im Hausgarten von Jonas Gampe. Perfekt für den Start und sehr praxisnah.
Buchtipp Urban Gardening: Selbstversorgung auf dem Balkon von Lisa Maria Trauer
Inspiration: Slow Food
Buchtipp: Einfach gärtnern - drinnen und draußen von Gabriele Kremer




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