Bewegung im echten Alltag statt Fitness Trend. Ich übe mich weiter darin, den Mund aufzumachen.
- 20. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Feb.

In meinem ersten Artikel habe ich darüber geschrieben, warum ich begonnen habe, den Mund aufzumachen. Im zweiten ging es um Ernährung- als Fundament unserer Gesundheit.
Und heute geht es um Bewegung. Weil Gesundheit kein einzelner Baustein ist - sondern ein Zusammenspiel. Genau hier knüpft dieser Artikel an.
Wir haben Bewegung unnötig kompliziert gemacht. Dabei ist sie das Natürlichste der Welt. Statt auf unseren Körper zu hören, zählen wir Schritte, tracken Kalorien und vergleichen uns mit Algorithmen. Höher. Schneller. Weiter.
Und ich mache heute bewusst den Mund auf. Weil ich finde: So kann es nicht weitergehen. Und die eigentliche Frage ist nicht: Wie viel Sport mache ich? Sondern: Wie gestalten wir Bewegung so, dass sie wirklich in unser Leben passt – privat wie beruflich?

Integration statt Leistungsdruck
Zwischen Arbeit, Verantwortung, Familie und mentaler Dauerbelastung fehlt uns nicht Disziplin. Uns fehlt Integration.
Bewegung muss sich unserem Leben anpassen. Nicht umgekehrt.
Was wir ganz sicher nicht brauchen, sind noch mehr Fitnessprogramme, Challenges, Tracking-Apps oder Leistungsziele, die uns angeblich motivieren sollen – in Wahrheit aber oft nur eines tun: Druck erzeugen.
Ich erlebe jeden Tag, wie voll unser Alltag ist. Und ich merke es bei mir selbst: Nicht Disziplin fehlt – sondern ein Konzept, das wirklich in meinen Alltag passt. Bewegung darf kein zusätzlicher To-do-Punkt sein. Sie muss Teil unseres Lebens werden.
Und ja – sie muss sich auch mal an Alter, Geschlecht und Tätigkeit anpassen. Wie?
Die österreichische AUVA bietet eine der besten Übersichtsbroschüren exakt nach Belastungstyp z.B. Heben/Tragen, Sitzberufe, Stehberufe.
Die IAS Gruppe bietet einen hervorragenden Überblick für Sport mit 20, 30, 50, 70 - welcher Sport jeweils am besten passt.
Ich persönlich halte es ganz unkompliziert: Wenn ich mehr Reize brauche, wähle ich etwas Aktivierendes. Wenn ich Ruhe brauche, entscheide ich mich bewusst für etwas Sanftes.
YouTube bietet dafür großartige Möglichkeiten. Für jedes Zeitfenster. Für jedes Bedürfnis.
Und das darf sich täglich verändern. Nicht strikt nach Plan – sondern ganz nach deinem eigenen Körpergefühl.
Es geht darum, hineinzuspüren: Was brauche ich gerade? Für mich, ist das das beste Training überhaupt.

Altern ist kein Schicksal. Es ist beeinflussbar.
Altern entwickelt sich – durch das, was wir täglich tun. Oder eben nicht tun. Und es ist nun mal so, dass wir ab 30 Jahren schon wieder an Muskelmasse verlieren. Die Knochendichte sinkt. Und auch die Reaktionsfähigkeit nimmt ab.
Das ist keine Panikmache. Das ist einach unsere Biologie. Und es wird uns alle betreffen.
Aber hier kommt der entscheidende Punkt:
Muskelkraft ist trainierbar.
Knochen reagieren auf Belastung.
Koordination lässt sich verbessern – selbst im hohen Alter.
Regelmäßige Bewegung ist die einzige wissenschaftlich belegte Möglichkeit, Alterungsprozesse zu verlangsamen.
Nicht Schonung.
Nicht Warten.
Nicht Hoffen.
Und nein – das bedeutet nicht Hochleistungssport. Es bedeutet einfach nur Regelmäßigkeit. Bewegung ist keine Option. Sie ist unsere Grundlage für ein gutes Leben.
Und genau deshalb dürfen wir Bewegung nicht dem Zufall überlassen. Sucht euch Übungen, auf die ihr wirklich Lust habt. Nutzt die Möglichkeiten, die wir heute haben. So viel Wissen, so viele gute Inhalte – frei verfügbar.
Und an dieser Stelle: Danke an all die Menschen, die mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass wir leichter Zugang zu guter Bewegung bekommen.
Bei Fitkurs findest du beispielsweise tolle Übungen - eine wohltuende Möglichkeit abseits des Influencer-Hypes.

Bewegung ist auch Emotionsregulation
Und jetzt kommt der Teil, über den kaum jemand spricht: Bewegung wirkt nicht nur auf Muskeln. Sie wirkt auf unser Nervensystem. Sie hilft uns, Emotionen zu verarbeiten.
Du bist wütend?
Dann braucht es vielleicht kein sanftes Yoga. Dann dürfen es kraftvolle Bewegungen sein – Boxübungen mit treibender Musik, zum Beispiel Drum & Bass. Jetzt sind schnelle Impulse gefragt. Raus mit der Energie. Und ich sage euch: Das tut so richtig gut.
Du bist gerade richtig glücklich?
Dann vielleicht langsame, fließende Bewegungen. Dehnen. Atmen. Spüren. Und dieses Gefühl einfach einmal ganz bewusst genießen.
Du bist unruhig?
Mach rhythmische, gleichmäßige Bewegungen. Gehen. Schaukeln. Atmen. Das bringt dich wieder in ein besseres Gleichgewicht.
Du fühlst dich erschöpft?
Dann setze auf sanfte Mobilisation statt auf Hochleistung. Aktiviere deinen Körper – aber bitte, ohne dich weiter auszupowern.
Bewegung ist kein Standardprogramm. Sie ist eine Antwort auf unseren inneren Zustand.

Regelmäßigkeit schlägt Intensität
Ich habe selbst erlebt, wie schnell Motivation verpufft, wenn ein Konzept nicht zum eigenen Leben passt.
Nicht der Wille war das Problem. Der Plan war es. Denn zwischen Arbeit, Familie und mentaler Erschöpfung bleibt oft kein Platz für zusätzliche Sportprogramme. Genau deshalb gehört Bewegung in den Alltag – nicht obendrauf wie ein weiterer To-do-Punkt.
Die ehrlichere Frage ist doch: Was passt gerade wirklich? Wo sind realistische Zeitfenster? Welche Art von Bewegung gibt mir Energie – statt sie mir zu rauben? Und was macht mir wirklich Spaß?
Bewegung hat für mich viele Gesichter. Sie ist nicht nur Gym. Nicht nur der trendigste Kurs. Nicht das nächste Selbstoptimierungs-Tool.
Wenn du Inspiration suchst: Schau dir gern einmal die Übungen von Liebscher & Bracht an. Dort findest du gezielte Impulse für unterschiedliche Bedürfnisse. Auch die Techniker Krankenkasse bietet Übungen an, bei denen man nicht ins Schwitzen kommt – perfekt für den Arbeitsalltag. Wer möchte schon verschwitzt ins nächste Meeting gehen? 😉

Bewegung wirkt – auf alles
Bewegung wirkt auf:
Muskeln
Knochen
Herz-Kreislauf-System
Stoffwechsel
Gehirn
Psyche
Eigentlich auf alles.
Und trotzdem behandeln wir sie oft wie ein zusätzliches Hobby – wie etwas, das man „macht, wenn man Zeit hat“.
Das andere Extrem ist der Gedanke, unser Leben müsse aus mehr Aktivität als Arbeit bestehen. Immer mehr. Immer intensiver. Und auch Freizeitstress kann ungesunde Muster annehmen - nur mal so am Rande erwähnt.
Ich glaube, wir brauchen Balance. Nur so bleiben wir langfristig gesund.
Ich selbst habe über viele Jahre kaum bewusste Bewegung integriert. Ich stand mehr als zwölf Stunden täglich unter Dauerstress auf den Beinen und dachte: Das reicht doch. Mein Körper hat mir irgendwann sehr deutlich gezeigt: Nein, so nicht junge Dame.
Seit 2014 gestalte ich meinen Bewegungsalltag bewusst und passe ihn immer wieder an meine Lebensphasen an. Und ja – manchmal ist es anstrengend, alte Routinen loszulassen. Aber die Freude, Neues zu entdecken, gewinnt jedes Mal wieder und genau das zählt.

Bewegung darf sich verändern.
Es gab Zeiten in meinem Leben, da hatte ich unglaublich viel Zeit. Ich habe alles ausprobiert: Klettern, Mountainbiken, Bergtouren, Tanzen, Yoga, Schwimmen – und noch vieles mehr.
Ich wollte meine Grenzen austesten. Herausfinden, was alles möglich ist. Und wow, das war eine wunderbare Zeit – und die beste Entscheidung, die ich nach meinem Zusammenbruch getroffen habe.
Dinge zu erleben, die ich vorher nicht kannte. Dinge zu schaffen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie schaffen würde. Das war einfach mal Drauflosgehen. Mutig sein. Einfach machen.
Und so oft habe ich dieses Gefühl von purer Freiheit in jeder einzelnen Zelle gespürt. Unfassbar genial.

Und heute? Heute bin ich Mama und Freiberuflerin zugleich.
Meine Zeitfenster sind kleiner geworden. Und das hat mich anfangs wirklich unglücklich gemacht. Weil vieles nicht mehr möglich war, was mir so viel Freude bereitet hat.
Plötzlich ging nicht mehr alles. Nicht jede spontane Bergtour. Nicht jedes lange Training. Nicht jedes „Ich probiere das jetzt einfach aus“. Das war erstmal schwer.
Doch mein Bewegungsdrang ist geblieben. Er ist nicht verschwunden. Er hat nur seine Form verändert.
Heute tanze ich mit meinem Kind durch die Wohnung. Ich baue Mikro-Bewegungen in meinen Alltag ein. Ich suche nach kleinen Zeitfenstern statt nach großen Abenteuern.
Und genau diese neuen Wege beginne ich gerade zu entdecken.

Ich messe mich nicht.
Ich nutze keine Sportuhr. Nicht, weil ich die Technik dahinter schlecht finde. Sondern weil ich mein Körpergefühl behalten möchte.
Ich will selbst spüren: Bin ich müde? Brauche ich Intensität? Oder eher Ruhe?
Wenn wir alles messen, verlieren wir manchmal genau dieses Gespür dafür. Technik darf uns dienen – aber sie darf uns nicht ersetzen.
Bewegung soll uns ins Spüren bringen. Nicht weiter von uns entfernen.

Bewegung hat viele Gesicher.
Bewegung ist nicht nur Gym.
Sie ist:
Gartenarbeit
Mit dem Fahrrad einkaufen fahren
Die Treppe statt den Aufzug nehmen
In der Küche – oder wo auch immer – tanzen
Im Grünen spazieren gehen
Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen
und und und ...
Bewegung ist funktionell. Sie ist kognitiv. Sie ist psychisch regulierend. Ein Spaziergang baut Stresshormone ab. Krafttraining stabilisiert Knochen. Koordinationsübungen schützen vor Stürzen. Ausdauer verbessert die Durchblutung des Gehirns.
Bewegung ist kein Extra. Sie ist einfach unser Alltag. Lasst sie uns entdecken – bunt, frei und mit ganz viel Freude dabei.

Bewegung im Arbeitsalltag – warum nicht?
Warum gibt es nicht selbstverständlich Bewegungsecken in Büros, Schulen oder öffentlichen Einrichtungen?
Warum gelten fünf Minuten Bewegungspause in manchen Arbeits- oder Lernkulturen immer noch als Zeitverlust?
Über Jahrzehnte wurden wir Menschen darauf konditioniert, zu funktionieren. Stillzusitzen. Durchzuhalten. Leistung zu bringen. Aber wir sind doch keine Maschinen.
Und je mehr wir künftig mit KI-Systemen und automatisierten Prozessen arbeiten, desto klarer wird: Unsere Stärke ist nicht stumpfes Funktionieren. Unsere Stärke ist unser Menschsein.
Wir Menschen haben Bedürfnisse. Und Bewegung ist eines davon. Mikro-Pausen sind kein Luxus. Keine Schwäche. Und schon gar keine Faulheit.
Sie sind kluge Selbstführung.
Sie sind Prävention.
Sie sind Zukunftsfähigkeit.
Bewegung reguliert unser Nervensystem. Sie klärt den Kopf. Sie steigert die Konzentration. Warum also nicht kurze Tanzsequenzen in Schulen – einfach zwischendurch?
Warum nicht im Büro Kopfhörer aufsetzen, Musik anmachen und den Körper bewusst bewegen?
Es gibt unzählige Möglichkeiten. Lasst sie uns erkennen. Und vor allem: leben. Es kostet uns alle nur ein paar Minuten – und bringt Fokus, Energie und Lebendigkeit zurück.

Wie bewege ich mich so, dass ich danach mehr Energie habe – nicht weniger?
Wenn Bewegung nur weiterer Leistungsdruck ist, läuft etwas schief. Wir brauchen keine Industrie, die uns ständig vermittelt, wir seien nicht genug und müssten noch mehr tun. Wir brauchen Bewegung, die in unser echtes Leben passt.
Hier ein paar alltagstaugliche Ideen:
Mikro-Bewegungsprogramm fürs Büro (5–8 Minuten)
Für mehr Klarheit, bessere Durchblutung und weniger Spannung. Probier es gern aus – und mach es zu deiner kleinen Routine.
Reset (1 Minute) Aufstehen. Schultern kreisen. Arme weit nach oben strecken. Tief ein- und ausatmen.
Mobilisieren (2 Minuten)
10 langsame Kniebeugen
10 Schulterblatt-Zusammenzüge im Stand
10 sanfte Oberkörper-Rotationen
Kreislauf aktivieren (2 Minuten)
30 Sekunden auf der Stelle gehen oder leicht joggen
30 Sekunden die Arme bewusst mitschwingen
Das Ganze wiederholen
Nervensystem regulieren (1–2 Minuten) Langsam durch die Nase einatmen (4 Sekunden), länger ausatmen (6 Sekunden). Den Blick bewusst vom Bildschirm lösen und in die Ferne schweifen lassen.
Mikro-Bewegungsprogramm für die Schule (3–4 Minuten)
Für mehr Bewegung, Spaß, Fokus und weniger Druck.
60-Sekunden-Tanz. Alle stehen auf und bewegen sich frei.
Tiergang (2 Minuten)
Bärenlauf
Froschsprünge
Seitlicher Crab-Walk
Konzentrations-Reset (1 Minute) Auf einem Bein stehen und die Augen schließen.
Mikro-Bewegungsprogramm für Zuhause (2–10 Minuten)
Jeden Tag etwas anderes – nicht alles auf einmal.
Alltags-Bewegungsrituale
Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen
10 Kniebeugen vor dem Duschen
3 Minuten Tanzen zu deiner Lieblingsmusik beim Kochen
5 Minuten Spaziergang nach dem Essen
1 Minute Dehnen vor dem Schlafengehen

Bewegung ist Freiheit
Gesundheit ist keine Pflichtübung. Sie ist unsere Freiheit. Bewegung darf uns fordern – aber nicht überfordern.
Manchmal reicht ein Spaziergang an der frischen Luft. Ein anderes Mal darf es eine anspruchsvolle Bergtour sein. Und manchmal genügt für heute einfach ein Tanz durch die Küche zu deiner Lieblingsmusik.
So einfach ist das.
Und doch haben wir verlernt, es so einfach zu sehen. Statt auf unseren Körper zu hören, orientieren wir uns an Zahlen, Trends und Programmen. Höher. Schneller. Weiter. Mehr Schritte. Mehr Intensität. Mehr Disziplin.
Aber Bewegung ist kein Wettbewerb.
Genau deshalb mache ich heute den Mund auf: Bewegung ist kein Trend. Kein Algorithmus. Kein Marketingprodukt. Sie ist unsere tägliche Lebensenergie.
Und wenn wir sie an Likes, Challenges oder Fitnessversprechen ausrichten, verlieren wir das Wesentliche. Wir selbst bestimmen, wie wir uns bewegen wollen und was wir gerade brauchen.
Bewegung ist auch eine Frage unserer psychischen Gesundheit. Wir leben in einer Zeit permanenter Reize. Permanenter Erreichbarkeit. Permanenter Bewertung. Und viele von uns funktionieren – aber innerlich sind wir längst erschöpft.
Stress ist kein Zeichen von Schwäche. Doch fehlende Stresskompetenz wird langfristig zu einem echten Problem. Und ich weiß sehr gut, wovon ich spreche. Wir reden über Leistung. Über Produktivität. Über Optimierung. Aber viel zu selten darüber, wie wir mit Druck, Überforderung und innerer Unruhe wirklich umgehen – ohne in ungesunde Muster abzurutschen.
Wie regulieren wir uns? Wie kommen wir aus dem Dauer-Alarm-Modus zurück in Stabilität? Wie bleiben wir psychisch gesund – und nicht nur leistungsfähig?
Darum geht es im nächsten Artikel. Um psychische Gesundheit. Um Stresskompetenz. Und darum, warum Selbstregulation keine Wellness-Idee ist – sondern eine Zukunftskompetenz.
Wer sein Nervensystem regulieren kann, gewinnt etwas Unbezahlbares: innere Stabilität – egal, welcher Wind draußen weht.
Ich freue mich auf dich. Bis zum nächsten Artikel.
Eure Michaela

Hier findest du alle Empfehlungen und Verlinkungen aus dem Artikel - ausgewählt aus eigener Erfahrung, nicht aus Verkaufsinteresse.
Mein erster Artikel: "Ich übe mich darin den Mund aufzumachen"
Mein zweiter Artikel: Über dieses Thema in Verbindung mit Ernährung.
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