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Ich übe mich darin, den Mund aufzumachen - über etwas, das wir ständig unterschätzen: bewusste Raumgestaltung.

  • 6. März
  • 5 Min. Lesezeit

Heute komme ich zum letzten Teil meiner Reihe „Ich übe mich darin, den Mund aufzumachen“ – der natürlichen Raumgestaltung.


Einfach deshalb, weil wir die Räume, in denen wir leben und arbeiten, nicht als neutral betrachten dürfen. Räume beeinflussen unser Nervensystem mehr, als wir denken.


Unsere Konzentration.

Unsere Stimmung.

Unsere Gesundheit.


All das schwingt mit.


Raumgestaltung ist keine Dekoration, kein Trend und kein Accessoire. Raumgestaltung ist Prävention – jeden Tag.


Diamanten als Symbol für Qualität – hochwertige Raumgestaltung sollte kein Luxus sein, sondern Teil unserer täglichen Lebensqualität

Qualität darf kein Luxus sein

Licht. Materialien. Akustik. Ordnung. Das ist kein „Schöner-Wohnen“-Gedanke.


Das ist Gesundheitsvorsorge und bewusste Raumgestaltung.


Und ehrlich gesagt habe ich zunehmend den Eindruck, dass echte Qualität aus vielen Räumen verschwunden ist – oder nur noch dort stattfindet, wo Geld keine Rolle spielt.


Warum eigentlich?


Warum sollte Qualität Luxus sein – und nicht einfach unsere bezahlbare Lebensqualität?


Vielleicht liegt die Antwort tatsächlich im Prinzip „Weniger ist mehr“. Nicht als Trend, sondern als Haltung. Als bewusste Entscheidung.


Oft ist es weniger eine Frage des Budgets als eine Frage des Bewusstseins, wie ich finde. Denn Qualität entsteht selten durch mehr Ausstattung, sondern durch das Weglassen von Dingen, die uns dauerhaft stressen.


Wie wir das konkret umsetzen können?

Indem wir uns wieder Zeit nehmen, unsere Räume bewusst zu betrachten. Uns fragen: Was brauche ich wirklich? Alles andere darf gehen. Denn jedes Ding, das wir anhäufen, verbraucht Ressourcen – Platz, Energie und vor allem auch unsere Aufmerksamkeit.


Wenn wir beginnen, wieder bewusster zu gestalten und auf langlebige, handwerklich gute Produkte zu setzen, wird Qualität plötzlich wieder leistbar - da bin ich sicher.


Wer sich intensiver mit diesem Gedanken beschäftigen möchte, findet im Buch Das Minimalismus-Projekt von Christof Hermann viele praktische Impulse für ein bewussteres Leben.


Grafik ‚Unsichtbar‘ als Hinweis auf unsichtbare Schadstoffe und ihre Wirkung auf gesunde Raumgestaltung

Wir beginnen bei dem, was unsichtbar wirkt

Wenn wir versteckte Schadstoffe in privaten Räumen, Büros oder Schulen nicht ernst nehmen, können Stress, Kopfschmerzen oder diffuse Unruhe entstehen.


Und wie so oft wissen wir gar nicht, woher es kommt.


Die Ursache kann in Dingen stecken, die wir täglich benutzen – ganz selbstverständlich, ohne groß darüber nachzudenken. Und deshalb fangen wir einmal ganz pragmatisch bei unseren Putzmitteln an.


Ich weiß nicht, wie es dir geht – aber diese überfüllten Regale voller „vielversprechender“ Reiniger haben mich schon immer irritiert. Denn vielen von uns ist gar nicht bewusst, wie gesundheitsschädlich und umweltschädlich manche dieser Produkte sein können.


Reinigungs- und Pflegemittel können flüchtige organische Verbindungen freisetzen. Sie riechen „frisch“, reizen aber Schleimhäute, belasten das Immunsystem und bleiben lange in der Raumluft. Das gilt übrigens nicht nur zu Hause. Auch im Arbeits- oder Schulalltag haben belastende Produkte nichts verloren.


Wie wir das in unserem Lebens- und Arbeitsalltag umsetzen können?

Oft reicht schon eine kleine Grundausstattung: ein neutraler Reiniger, Essigessenz gegen Kalk, Natron für Fett oder stärkere Verschmutzungen und Wiener Kalk für empfindliche Oberflächen.


Wiener Kalk reinigt und poliert Edelstahl, Glas oder Keramik schonend – ganz ohne aggressive Chemie. Er ist biologisch abbaubar und auch für Allergiker gut geeignet.


Viele Dinge lassen sich außerdem ganz einfach mit warmem Wasser und einem Kupfertuch oder Kupferschwamm reinigen.


Auch in unserer Arbeitswelt – etwa in Büros oder Schulen – lohnt sich ein Blick auf die eingesetzten Reinigungsprodukte. Statt vieler stark parfümierter Spezialreiniger können oft einfache, möglichst schadstoffarme Mittel verwendet werden.


Und ganz wichtig: Nach der Reinigung gut lüften.


Wer beim Einkauf Orientierung sucht, findet z.B. in diesem Artikel hilfreiche Hinweise.


Uhr als Symbol für bewusste Raumgestaltung – weniger Möbel, aber durchdachte Einrichtung

Bewusste Raumgestaltung: weniger, aber besser

Ja, hochwertige Möbel kosten Geld.


Aber ich kann dir an dieser Stelle sagen: Ich bin mit 16 zum ersten Mal von zu Hause ausgezogen und habe bis zu meinem 33. Lebensjahr mit vielen Second-Hand-Möbeln gelebt. Und dadurch habe ich früh gelernt, mir eine wichtige Frage zu stellen:


Was brauche ich wirklich? Das hatte nichts Philosophisches – es war ganz pragmatisch. Das Geld für hochwertige Möbel war einfach nicht immer da.


Später durfte ich über mehrere Jahre ein Haus designen und gestalten. Vieles wurde integriert. Viel Holz wurde verbaut. Jeder Winkel wurde durchdacht. Die Räume waren reduziert eingerichtet – aber warm. Und plötzlich waren 160 Quadratmeter schneller gepflegt als manche kleine Wohnung zuvor.


Durchdacht heißt für mich nicht automatisch luxuriös. Durchdacht heißt: bewusst designen und gestalten. Das ist kein Trend – das ist für mich langfristige Stressprävention.


Wie lässt sich das im Alltag umsetzen?

Indem wir Räume nach Nutzung denken – nicht nach Pinterest. Wenn ein Raum funktioniert, denkt man nicht mehr über ihn nach. Man lebt, arbeitet oder lernt einfach darin.


Der Designer Dieter Rams war einer der einflussreichsten Industriedesigner der Welt. Sein Designprinzip lautet: Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. Mein Buchtipp für dich.


Bunte Kacheln in klarer Struktur als Symbol für Ordnung und mentale Entlastung im Alltag

Ordnung ist Fürsorge

Ich war früher chaotisch. Heute weiß ich: Ordnung hat nichts mit Disziplin zu tun.

Sie ist pure Selbstfürsorge – ein Gegengewicht zum mentalen Overload.


Ordnung ist keine Zwangsjacke.

Sie ist unsere Freiheit.


Was darf bleiben?

Was bekommt endlich einen Platz?

Und was darf einfach gehen – ohne schlechtes Gewissen?


Wir brauchen keine klinisch sauberen Wohnungen. Aber wir brauchen Räume, die echt sind. Wenn Dinge ihren festen Platz haben, werden sie nicht mehr zu Dauerwanderern.

Und wenn wir aufhören, alles aufzubewahren – nur weil es mal wichtig war oder jemand es geschenkt hat –, dann entsteht Platz. Sichtbar nach Außen und beruhigend in unserem Inneren.


Auch im Job gilt: Chaos frisst Energie. Struktur gibt sie zurück. Klare Ablagen, klare Zuständigkeiten, klare Grenzen.


Ordnung schafft Struktur.

Struktur gibt Sicherheit.

Sicherheit entspannt unser Nervensystem.


Für mich ist Ordnung kein Trend – sie ist Widerstand gegen Dauerstress.

Sie ist Fürsorge. Für uns. Und die Menschen um uns.


Studien zeigen sogar, dass stark überfüllte Wohnungen messbar mit höherem Stresslevel verbunden sind.


Die Aufräumexpertin Marie Kondo beschreibt in ihrem Buch Magic Cleaning, wie befreiend es sein kann, sich bewusst von Dingen zu trennen, die keinen Platz mehr in unserem Leben haben.


rau mit offenem Mund als Symbol für Mut, Missstände in Wohn- und Arbeitsräumen anzusprechen

Und jetzt mache ich den Mund auf

So oft treffe ich Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden völlig überfordert sind. Und so oft sehe ich Arbeitsumfelder, die uns genauso überfordern.


Zu viele Dinge. Zu viele Tools.

Zu wenig Struktur. Zu wenig Zeit.


Wir leben in einer Zeit, in der wir von allem zu viel haben.


Zu viele Reize.

Zu viele Optionen.

Zu viele Dinge.

Zu viele Informationen.


Die Räume, in denen wir leben. Und die, in denen wir arbeiten - dort verbringen wir den größten Teil unseres Tages. Und am Ende tragen wir selbst die Verantwortung für deren Qualität. Als Menschen in unserem Zuhause. Und als Arbeitgeber in unseren Unternehmen.


Denn nicht alles, was möglich ist, ist nötig.

Nicht alles, was günstig ist, ist sinnvoll.

Und nicht alles, was modern aussieht, tut uns auch gut.


Raumgestaltung ist kein Lifestyle-Thema. Und sie ist auch kein weiteres "Tool" der betrieblichen Gesundheitsförderung.


Räume beeinflussen unsere Konzentration, Stimmung und Belastbarkeit - jeden Tag. Ob wir das bewusst merken oder nicht. Genau deshalb lohnt es sich, Räume bewusster zu gestalten.


Auf meinen vielen Rucksackreisen habe ich unzählige wertvolle Eindrücke gesammelt: besondere Orte, Lieblingsplätze, Menschen, die zur Ruhe kommen. Diese Beobachtungen nehme ich mit - und lasse sie in meine Gestaltungsarbeit einfließen. Für mich ist das eine Bereicherung, die sich in jedem Raum wiederfindet.


Gute Räume entstehen nicht durch Geschwindigkeit. Sie entstehen durch Aufmerksamkeit. Durch bewusste Entscheidungen. Durch Reduktion. Materialität. Licht. Struktur - und Mut.


Mut, den Mund aufzumachen, wenn wir spüren, dass sich etwas verändern darf.


Damit endet meine Reihe Ich übe mich darin, den Mund aufzumachen.


Vielleicht hat dich diese kleine Reise durch die Welt von Ernährung, Bewegung, psychischer Gesundheit & Stresskompetenz als auch dieser Artikel inspiriert. Vielleicht haben meine Worte dich an der einen oder anderen Stelle zum Nachdenken gebracht.


In zwei Wochen geht’s hier weiter - mit einem neuen Thema: „Verunsicherung steht am Anfang von Veränderung.“


Bis dahin gönne auch ich mir eine kleine Pause.


Vielleicht beginnst du heute damit, einen Raum in deinem Leben bewusst neu zu sehen.


Bye, eure Michaela 🌿



Wenn du dich tiefer mit den Gedanken aus diesem Artikel beschäftigen möchtest, habe ich dir hier nochmal alle Bücher und Artikel zusammengestellt.











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